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Warum sehen wir die Kelten eigentlich so häufig auf so verklärte Weise?

Ein Erklärungsversuch von Lexi Heimberg:

 

Im allgemeinen ist ja bei Herrn Otto Normal nicht viel über die Kelten bekannt. Vielleicht hat man schonmal eine Doku gesehen. Bevor ich mich weiter mit dem Thema Kelten beschäftigt habe, war ich der Meinung dass es diese nur auf den britischen Inseln da oben gegeben hätte und ich war erstaunt, dass es sie bis nach Südeuropa verschlagen hat oder auch weit in den Südosten. So wird es also einem Gros der Leute gehen, die "nur mal was" darüber gehört haben.
Dazu kommt dann die allgemeine Fantasywelle, die erst langsam wieder abebbt, in den 80ern war Fantasy ja auch schonmal tierisch "in" gewesen, die Nebel von Avalon sind von 82, soweit ich weiß. Also merkt sich der Großteil der Menschen einfach nur das, was er irgendwann mal aus der Kategorie "Kelten" gehört hat. Das sind meist eher die spektakulären und verklärten Sachen und nicht die trockene Realität.
Jetzt gibt es aber auch solche, die sich an irgendwas anlehnen müssen. Diese Menschen glorifizieren das, was für sie am passendsten erscheint. Manche machen das mit dem Mittelalter, andere mit Germanen und wieder andere mit Kelten. Und sie vergessen dabei, dass das Leben unter den damaligen Bedingungen kein LARP war und man durchaus auch mal Sch**ße schippen musste, um alles seinen gewohnten Gang gehen zu lassen. Keine Ausnahmen, keine Rücksicht auf "Newbies". jede Zeit hat ihre besonderen Tücken. Heute ist es wohl mehr die Arbeitssuche, damals war es das Überleben, ohne Zentralheizung und WAP. Das wird alles vergessen, weil man sich die nie gewesene gute alte Zeit zurückwünscht, weil man hier keine Aussichten hat, seinen Traum zu leben. Und weil man vielleicht sogar garkeine Träume mehr hat, weil es mittlerweile schon fast alles gibt. Damals wäre das Fliegen z.B. eine Sache gewesen, die man sich nur hätte erträumen können. Heute steigen wir in ein Flugzeug oder lassen uns von einem Turbogebläse als Freizeitspaß in die Höhe pusten.
Klingt wirklich wie ein Wunsch nach "Weniger", oder?
Weniger Stress zum Beispiel. Welchen Stress kann eine schön gewandete Keltin auch schon haben, außer sich einmal im Leben für den großen Kamp gegen das Böse zu rüsten?  Das ist ja der erste Gedanke, den man bei den Gefahren des damaligen Lebens so hat. Feindesangriffe.
Dass die Leute damals nicht alle aussahen wie Liv Tyler und Viggo Mortensen, daran denkt man erstmal nicht. Die waren bestimmt sogar verglichen mit den heutigen (Werbe)Schönheitsidealen ganz schön häßlich. Gab ja auch keine Dove Extrazart. Und gerochen wird es damals auch haben... klar, man hatte da seine ätherischen Öle, aber die benutzt man ja nicht, wenn man eben mal einen Fuchs jagen geht. Und von Waschmaschinen fange ich garnicht erst an.
Es sind den Leuten nicht an jeder Ecke Feen über den Weg gelaufen, es kamen keine weißen Zauberpferde mal eben so aus irgendwo, es war schlichtweg Alltag.
Alltag, den wir hier auch haben. Aber wir stellen uns ja nicht vor, wie ein Kelte mit Durchfall aussieht oder in der Nase bohrt. Wir sehen ihn als spirituelle Entität, ständig von einer Aura umgeben.
MZB ist (was ich irgendwie bedauere) bei vielen "ernsthaft Kelteninteressierten" ein rotes Tuch. Kann ich verstehen, nach dem x.ten Typen der mich nach Feenzauberstaub fragt hätte ich auch gründlich die Nase voll. Aber es ist völlig okay mMn, wenn sich Leute eine Selfmade-Religion aus einem Buch stricken, solange sie damit glücklich werden. Was nicht okay ist (aber daran kranken viele Religionen), ist der Versuch, dieses Buch (was zu allem Überfluss auch noch Neuzeitlich ist Wink ) als allgemeingültig anzusehen, aus Fiktion Wahrheit zu machen. MZB hat sich eine schöne Geschichte ausgedacht. Fertig. Mehr ist hinter all diesen Geschichten nicht. Punkt.
Natürlich fühlen sich dann die NebelVonAvalon-isten davon angegriffen, wenn ich sage, dass hinter dem Buch nicht viel mehr ist, als Fiktion und ein bisschen Konsum/Profit. Aber dazu kann ich nur entgegnen, dass es ja nicht darauf ankommt. Es kommt darauf an, was man in seinem Herzen aus einer (egal welcher) Religion macht.

19.11.07 17:44


Engstirnigkeit

Ich selbst bin zwar keine Wicca, aber ich trotzdem irgendwo emotional betroffen über das folgende:
In einem anderen Forum äußert sich ein wohlbekannter Heidenpapst sehr, sagen wir mal, kritisch, über die Glaubensform des Wicca. Er findet, alle Götter auf einen männlichen und einen weiblichen Gott zu reduzieren werde den Göttern in keinster Weise gerecht und daran macht er fest, dass im  Wicca kein Kontakt zu den Göttern bestehen kann, denn sonst würden die Anhänger des Wicca nicht keinen solchen "Unsinn" behaupten und die Götter hätten ihnen dann schon die Wahrheit mitgeteilt.
Er selbst bezeichnet sich und seine Glaubensform als Altheiden und Wicca, neben vielen anderen, als Neuheiden.
Ganz davon ab, dass sich ein Oberhaupt einer Glaubensgemeinschaft solche Worte besser zehn Mal überlegen sollte, bevor er sie schreibt, finde ich es erschreckend, dass es Heiden gibt, die so dogmatisch sein können wie die verbissensten Christen, die sie ja eigentlich aus ganzem Herzen ablehnen. Noch erschreckender ist es, dass das Thema dieses Threads die Missionierung sein sollte. Ich will hiermit keinen Unfrieden stiften, aber ich fand es wichtig, mich mitzuteilen und musste mir das einmal  von der Seele schreiben.

 Quelle: zentralrat-der-heiden.de

11.11.07 13:41






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